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Donnerstag, 11. Februar 2021

Altstadtspaziergang- vom Limarutti bis Gsodam

Das nächste Haus Nr. 6 am Hauptplatz ist vlg. Mareier, vormals ebenfalls im Besitz von Karl Lichtenegger, wurde im Jahr 1906 vom Uhrmachermeister Karl Limarutti erworben. Bis 1904 war in diesem Haus auch das K & K Postamt untergebracht. Neben dem Uhrenfachgeschäft wurde im Haus auch ein Lebensmittelladen von Familie Girod betrieben. Auch in früherer Zeit waren Wohnräume immer eine Mangelware, im Haus wohnte auch die Hebamme Gutschi und die Familie des Fassbinders Karner, der seinen Betrieb am Viehplatz hinter der Spitalkirche hatte. Der Junge Karl Limarutti war auch Spezialist für große Uhren, da er zusätzlich in der Schweiz eine Ausbildung dafür machte. Der Spitzname für seine Freunde hieß LIMO.  Heute werden die ehemaligen Geschäftsräume von der BKS genutzt. Heute ist das Haus, im Besitz von Fam. Huber. (Die Wohnräume im Obergeschoß wurden zu einem wunderschönen Appartement ausgebaut - mehr dazu in Kürze auf Leonharder Bogspot)


Das nächste in jüngster Zeit schön restaurierte Haus Nr. 7 vlg. Schitterer, seit 1872 im Besitz von Familie Trippolt, die es ebenfalls schon von ihren Vorfahren übernommen haben. Es kam 1914 durch Kauf von Georg Mannsberger, erst durch Rückkauf von Eliese Trippolt, der Großmutter des Heutigen Besitzers, im Jahr 1935 kam wieder in Familienbesitz. 1952 übernahm den Besitz der Fleischhauer Josef Trippolt, der neben der Landwirtschaft eine Fleischerei und ein Gasthaus betrieb. Heute führt sein Sohn, ebenfalls Josef, das mit 3 Hauben ausgezeichnete Restaurant "Zum Bären"
 
Als erster Besitzer des Hauses Nr. 8 vlg. Gruber scheint 1882 Ignatz Gsodam auf, der es ebenfalls schon von seinen Vorfahren übernommen hat. 1891 wurde im Hause Köppl der Spar und Darlehenskassenverein gegründet. 1912 erwirbt es durch Kauf der Bürgermeister Franz Egger, der neben der Landwirtschaft auch schon einen Gastbetrieb führte. Im Jahr 1941 wird es von Konrad Köppl käuflich erworben und ist seither im Besitz der Familie Karl Köppl. Auch hier hatten seinerzeit die uns allen bekannte Lehrerin Frau Lotte Lindner und die Schwester vom Apotheker Weisser, die Frau Mauth, ihren Wohnraum und der praktische Arzt Franz Hollauf eröffnete seine Ordination.   Neben dem Gastbetrieb war im Haus seinerzeit auch das Notariat untergebracht und bot dem Leonharder Männergesangsverein sowie dem Kameradschaftsbund Quartier. Mit kurzen Intervallen war die Pizzeria Leonardo und der Sohn vom Restaurant Bärnthaler am Werken, ab 2020 ist hier nun die Pizzeria „Bauerndorf“.



Vor dem Haus im Grünstreifen zwischen Nebenfahrbahn und Hauptstraße erinnert die im Jahr 1732 errichtete Mariensäule an die Befreiung aus der Pestgefahr. In der unteren Höllgasse ist auch das im 17. Jahrhundert erbaute Pestkreuz

Gasthaus Zollner mit dem Schanigarten


Das Haus Nr. 9 vlg. Zollner, war 1872 im Besitz im Besitz des Michael Grießmayer. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel erwarb es 1895 Franz Egger, der es wiederum 1902 an Frau Johanna Kienzl verkaufte.   Im ersten Stock des Hofgebäudes war ein großer Saal, in dem seinerzeit viele Bälle und Hochzeiten gefeiert wurden. Zeitweise trat hier auch die Leonharder Theatergruppe mit ihren „Stars“ Anna Gmeiner und Viktor Girod auf und die starken Männer der Turnerriege hatten hier ihr Vereinslokal, der praktische Arzt Dr. Herfort seine Ordination. Im sogenannten Koschatstüberl musizierte das Quartett Gsodam – Limarutti – Weishaupt – Brunner 1926.  In der Kriegszeit bis 1945 herrschte hier Isidor Gomahr als Bürgermeister. Erst 1953 erbt er es und betreibt das Gasthaus Kienzl mit seiner Gattin Erna, neben seinem Holzhandel florierte das Gasthaus mit dem Bierdepot hervorragend. Heute ist dieses Haus Eigentum der Kärntner Sparkasse und wurde im Jahr 2019 mit modernem Baustil ganz neu errichtet

Das Schrammelquartett, Gsodam – Limarutti – Weishaupt – Brunner 14.Feber 1926

Ansicht der Häuser vom Gasthof Karl Köppl und Kienzl, als Isidor Gomahr Bürgermeister war, 1940

Das Haus Nr. 10 vlg. Hardegger wird 1879 von Gabriel Mayer käuflich erworben. Im Jahr 1898 errichtet Mag. Wiltschek, im Hause Hardegger die Apotheke „Zum Heiligen Leonhard“, welche später vom Apotheker Franz Weisser weitergeführt wurde.  1943 wird Rosalia Arnold, seit 1948 verehelichte Ogris als Eigentümer eingetragen. Die Bäckerei wurde von Albin Ogris begonnen, er war auch Taxler im Ort.  Die Bäckerei wurde von Hardi Ogris weitergeführt. Die Apotheke „Zum Heiligen Leonhard“ war hier fast 100 Jahre untergebracht.  Peter Gmeiner alias „Fudl“ gründete in jungen Jahren mit seinen Freunden die allseits bekannte „Carinthia Combo“, war lange Zeit als Musikschullehrer tätig und nebenbei noch Obmann der Blaskapellen Schiefling und Leonhard.  Als Besitzer des Hauses eingetragen ist heute die Familie Gmeiner



Das Haus Nr. 12 und 13 bestand ursprünglich aus zwei Häusern, vlg. Schnur und Schlosser. 1857 Aloisia Kircher gehörend, kam durch Verehelichung 1858 an Vinzenz Mayer, dessen Tochter Helena heiratete 1904 Bonifaz Semmelrock. Seither ist das Haus in Familienbesitz einer der ältesten Bürgerfamilien.  Das Eisenwarengeschäft und die Schlosserei Semmelrock waren weit über das Lavanttal hinaus sehr bekannt. Lange Zeit war am Hauptplatz die einzige Tankstelle von Leonhard beim Semmelrock, den Betrieb führten die beiden Brüder Max und Karl, welcher eigentlich mehr mit dem Namen „Muggi“ angesprochen wurde. Um 2002 änderte sich die ganze Geldabwicklung vom Schilling auf Euro. Das Traditionshaus Semmelrock wurde geschlossen, danach zog die Handelsgesellschaft Schlecker in die Lokalität ein. Nun erzeugt hier die Firma „frunix“  fructosefreie Bonbons



Das Haus Semmelrock wurde,  wie die Nachbarhäuser Jost – Gsodam – Karner – Stremitzer,  einen Tag nach dem offiziellen Kriegsende am 9.Mai 1945 durch explodierende, am Hauptplatz, abgestellte Munitionswägen sehr schwer beschädigt. 



Das Haus Nr. 14 vlg. Oberer Meidl war 1878 im Besitz des Johann Feninger der es 1886 an Franz Muzik verkaufte. 1924 erbte Antonia Muzik das Haus, die es durch einen Leibrentenvertrag im Jahr 1926 an Ferdinand Jost übergab, welcher im Haus eine Schneiderei und ein Kleidergeschäft eröffnete. Sein Sohn, Ferdinand Jost jun., baute es zu einem Modegeschäft aus und richtete das erste Fotofachgeschäft im oberen Lavanttal ein. Heut betreibt er einen großen Druckereibetrieb in Liezen. Uns Leonhardern ist er durch seine tollkühnen Runden mit seinem Privatflugzeug über unserem Städtchen sehr bekannt geworden. Einige Zeit wurde das Modengeschäft von Frau Waltraud Maier weitergeführt, dann wurde es zu einer Kraschowitz Bäckerei mit Cafe umgestaltet, seither ist es komplett stillgelegt und wartet auf neues Leben

Das Bild stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1975. Der ganze obere Hauptplatz ist wieder  schön hergerichtet. Eine Tankstelle am Hauptplatz wäre heute nicht mehr möglich.


Das nächste Haus Nr. 15 vlg. Ranner Bäck ist wohl eines der ältesten Häuser im Familienbesitz. 1877 scheint Anna Gsodam, die Witwe des Ignatz Gsodam, der auch das Haus Nr. 8 (heute Köppl) gehörte, als Besitzerin auf. Hermann Gsodam betrieb die Bäckerei und war, mit seinem VW Bus auch lange Zeit der einzige Taxifahrer, bei den Leonhardern auch gut bekannt mit dem Namen „Pater Hermann“. Besitzer der Liegenschaft ist heute der Sohn von Hermann Gsodam, Dr. Christian Gsodam, seinen eigenen Wirkungskreis hat er aber in Brüssel. Zwischen dem Haus Karner und Gsodam kann man einen Blick in die untere Höllgasse und auf das im 17. Jahrhundert erbaute Pestkreuz werfen

Noch einmal die zerstörten Häuser Semmelrock – Gsodam – Karner – Stremitzer.



3. Teil am 18. Feber 2021:
Die Bürgerhäuser Karner, Pichler und unteres Stadttor

2 Kommentare:

  1. Gratulation zu diesem tollen Beitrag!

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  2. Super Infos, konnte den Uhrenverkäufer einer Damentaschenuhr aus 1912 ausfindig machen...Karl Limarutti... Bis zu welchem Jahr existierte das Uhrengeschäft?

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