Am Samstag, dem 12. September 2026, lud die Pfarre Bad St. Leonhard bereits zur 7. Spirituellen Wanderung ein. Unter dem Titel „Geschichtliche Betrachtung – Kostbarkeiten am Wegrand“ führte der gemeinsame Weg vom SeneCura Sozialzentrum Bad St. Leonhard bis zum Schloss Lichtengraben. Organisiert wurde die Wanderung vom Katholischen Bildungswerk der Pfarre unter der Leitung von Mag. Susanne Schatz. Die geistliche Begleitung übernahm Diakon Mag. Anton Schönhart, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während des gesamten Weges begleitete. Im Mittelpunkt standen diesmal die vielen kleinen und oft unscheinbaren Bildstöcke, Marterln, Kreuze und Heiligendarstellungen, die entlang des Weges zu finden sind. Sie sind nicht nur Zeugnisse des Glaubens, sondern erzählen auch Geschichten über Menschen, Familien und vergangene Zeiten – und damit ein Stück Geschichte unserer Heimat. An den einzelnen Stationen wurden die Hintergründe und Geschichten der jeweiligen Andachtsstätten nähergebracht. Besinnliche Texte luden zum Nachdenken ein, gemeinsam gesungene Lieder sorgten für besondere Momente der Ruhe und Gemeinschaft.
So wurde die Wanderung zu einer Verbindung von Glaube, Geschichte, Natur und Heimat.
1. Station – Bildstock beim Pflegeheim
Der gemeinsame Weg begann beim kleinen Bildstock im Garten des SeneCura Sozialzentrums Bad St. Leonhard, der dem Heiligen Vinzenz von Paul geweiht ist. Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegeheims versammelte sich die Wandergruppe zu einer kleinen Andacht.
Vinzenz von Paul war ein französischer Priester, der sich mit großer Hingabe um Menschen in Not kümmerte. Mit Hilfe der von ihm gegründeten Gemeinschaften setzte er sich unter anderem für Galeerensträflinge, Kranke, Arme, Witwen und Waisen ein. Ebenso widmete er sich der Priesterausbildung und dem Aufbau von Missionen. Er gilt als Begründer der weltweiten Caritasbewegung. Vinzenz von Paul starb am 27. September 1660 in Paris. Sein Gedenktag wird bis heute am 27. September begangen. Dargestellt wird der Heilige häufig im Priestergewand, umgeben von Menschen, denen er geholfen hat, oder mit einem flammenden Herzen.
Der Bildstock im Pflegeheimgarten zeigt neben dem Heiligen Vinzenz von Paul auch eine Darstellung des Heiligen Leonhard, eine Herz-Jesu-Darstellung und ein Marienbild.
Bereits bei dieser ersten Station wurde der Grundgedanke der Spirituellen Wanderung spürbar: gemeinsam unterwegs sein, innehalten und die kleinen Zeugen des Glaubens und der Geschichte unserer Heimat neu entdecken.
2. Station – „Maria im Walde“
Weiter führte der Weg zur Andachtsstätte „Maria im Walde“. Das gerahmte Bildnis der Muttergottes mit dem Kind befindet sich heute an einer Fichte und hat in seiner Geschichte bereits mehrfach den Standort gewechselt. Ursprünglich befand sich die Andachtsstätte etwas höher gelegen im sogenannten Bleiernen Graben.
„Maria im Walde“ gehörte seit jeher zur Hofstelle vulgo Mischlinger. Die Andachtsstätte besteht zumindest seit dem frühen 20. Jahrhundert und war früher ein beliebter Treffpunkt für Maiandachten.
Diese wurden unter anderem vom St. Leonharder Jungfrauen-Verein organisiert. Auch Schwester Luise Gmeiner, langjährige Religionslehrerin an der Volksschule St. Leonhard, besuchte den Platz vermutlich in den 1950er- und 1960er-Jahren regelmäßig mit ihren Schülerinnen und Schülern.
Vor allem in den 1970er-Jahren war es in der Nachbarschaft noch üblich, sich am Samstagabend zum Rosenkranzgebet bei der Andachtsstätte im Wald zu treffen. Bis zu 30 Personen sollen damals regelmäßig hier zusammengekommen sein.
Maria und Gottfried Gressl veranlassten zuletzt die Erneuerung des Holzkastens für das Marienbild. Über viele Jahre wurde der Platz von Gertrude Zuber und Reli Rappitsch betreut.
Die Tradition der Maiandachten bei „Maria im Walde“ endete vermutlich in den 1980er-Jahren.
3. Station – Nepomukstöckl
Eine weitere Station war das Nepomukstöckl an der Obdacherstraße. Der Giebelbildstock hatte ursprünglich einen anderen Standort. Wie aus dem Franziszeischen Kataster hervorgeht, befand er sich westlich der Lavant auf Höhe der Brücke beim Hammerweg.
Der Franziszeische Kataster war der erste vollständige österreichische Liegenschaftskataster. Er wurde 1817 von Kaiser Franz I. angeordnet und in den folgenden Jahrzehnten erstellt. Jedes Grundstück und jedes Gebäude wurde vermessen und kartografisch erfasst. In der tiefen Rundbogennische des Nepomukstöckls befindet sich eine Statue des Heiligen Johannes Nepomuk. Der Heilige ist als Priester mit Rochett, Stola und Birett dargestellt und hält in seiner rechten Hand ein Kreuz. Im Jahr 2025 wurde das Dach des Bildstocks auf Kosten der Stadtgemeinde neu gedeckt.
Johannes Nepomuk gilt als Brückenheiliger und wird seit Jahrhunderten zum Schutz vor Wassergefahren verehrt. Auch in anderen Orten des Lavanttals, etwa in St. Paul, Lavamünd und Wolfsberg, finden sich Nepomuk-Darstellungen an Brücken oder in unmittelbarer Nähe von Flüssen.
Besonders nach Hochwasserereignissen wurde der Heilige um Schutz angerufen. An der Lavant sind größere Hochwasserkatastrophen unter anderem aus den Jahren 1660, 1851, 1916, 1926, 1951, 1965 und 1991 überliefert. Auch in jüngerer Zeit kam es in Bad St. Leonhard zu kleinräumigen Überschwemmungen.
Eine alte Tradition berichtet davon, dass beim ersten Hochwasser des Jahres eine Kerze beim Nepomukkreuz entzündet oder Blumen niedergelegt wurden – verbunden mit der Bitte, Menschen und Brücken vor den Gefahren des Wassers zu bewahren.
4. Station – Bildstock der Familie Bacher
Im Garten der Familie Bacher befindet sich ein weiterer Hausbildstock. Dieser wurde von der Familie etwa 2017 errichtet. Die Bilder stammen vom Schwiegervater, Herrn Zarfl.
Zu sehen sind unter anderem Maria und Christus sowie die Heiligen Florian und Barbara. Besonders ausführlich wurde die Geschichte der Heiligen Barbara erzählt. Sie gilt unter anderem als Schutzpatronin der Bergleute sowie zahlreicher weiterer Berufsgruppen. Der Überlieferung nach lebte Barbara in Nikomedien, dem heutigen Izmit in der Türkei. Ihr Vater Dioscuros war ein wohlhabender Heide und wollte seine Tochter vor dem christlichen Glauben bewahren. Barbara ließ sich jedoch heimlich taufen. Als ihr Vater von ihrem christlichen Glauben erfuhr, soll er sie verfolgt und schließlich den Römern ausgeliefert haben. Nach der Überlieferung wurde Barbara gefoltert und schließlich enthauptet. Ihre Geschichte und ihr Martyrium machten sie zu einer der bekanntesten Heiligengestalten der christlichen Tradition.
5. Station – Bildstock der Familie Rappitsch
Beim Haus der Familie Rappitsch befindet sich ein weiterer Bildstock, der neben einem Kreuz mit Christusfigur steht. Herr Rappitsch errichtete den Bildstock vor rund 20 Jahren und hat die darin befindlichen Bilder inzwischen bereits einmal erneuert. In den vier Nischen finden sich Darstellungen von Jesus Christus sowie der Heiligen Leonhard, Florian und Christophorus.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Heiligen Florian. Er lebte im späten 3. und frühen 4. Jahrhundert und wurde durch seinen Einsatz für verfolgte Christen zum Märtyrer. Nach der Überlieferung wurden im Jahr 304 in Lorch, dem damaligen Lauriacum, 40 christliche Soldaten gefangen genommen. Florian, selbst ehemaliger römischer Beamter und Christ, soll sich für die Gefangenen eingesetzt und sich geweigert haben, den römischen Göttern zu opfern. Der Überlieferung zufolge wurde er gefoltert und schließlich mit einem Mühlstein um den Hals von einer Brücke in die Enns gestürzt. Der Mühlstein wurde dadurch zu einem seiner wichtigsten Erkennungszeichen in der bildlichen Darstellung.
6. Station – Fassadenbild mit dem Heiligen Clemens
Ein ganz besonderer Blickfang erwartete die Wandergruppe beim Wohnhaus der Familie Baumgartner. Dort befindet sich ein großflächiges, querformatiges und mehrfarbiges Sgraffito mit der Darstellung des Heiligen Clemens.
Das Fassadenbild wurde im Jahr 1981 von Stefan Dvorak gestaltet. Besitzer waren damals Konrad und Hermine Baumgartner. Interessant ist dabei die Darstellung selbst: Obwohl das Bild mit dem Heiligen Clemens bezeichnet ist, entspricht die Darstellung in ihrer Ausführung eigentlich eher der traditionellen Darstellung des Heiligen Franz von Assisi, der häufig von Vögeln und Tieren des Waldes umgeben dargestellt wird. Der Heilige Clemens hingegen wird traditionell meist als Bischof dargestellt, häufig mit einem Lamm, einem Brunnen oder einem Anker. Auch die Geschichte des Künstlers Stefan Dvorak wurde bei dieser Station näher beleuchtet. Der Lavanttaler Maler des 20. Jahrhunderts gestaltete neben zahlreichen Bildstöcken auch viele Hausfassaden mit Heiligendarstellungen und ländlichen Motiven. Von demselben Künstler stammt auch das in Brauntönen gehaltene Fassadenbild am Wohnhaus der Familie Kreuzer. Es zeigt eine lebensgroße Darstellung des Heiligen Christophorus.
Die Wahl des Christophorus als Motiv steht dabei in Verbindung mit dem früheren Beruf des Hauseigentümers, der viele Jahre als LKW-Fahrer tätig war.
Die Möglichkeit mehr über das Leben des Künstlers Stefan Dvorak zu erfahren bietet sich am 2. Oktober im Kulturheim. Dort präsentiert Sonja Maria Bachhiesl ihr Buch "Das Werk von Stefan Dvorak - Spuren eines Lavanttaler Künstlers":
7. Station – Fassadenbilder in Wisperndorf
Gleich mehrere interessante Fassadenbilder konnten anschließend in Wisperndorf betrachtet werden. An der Nordseite eines Wohnhauses befindet sich eine lebensgroße Darstellung des Heiligen Christophorus, während an der Westfassade neben dem Kärntner Wappen auch Schwalben dargestellt sind. Stefan Dvorak gestaltete kurz nach der Entstehung der neuen Siedlung die Fassaden von insgesamt vier benachbarten Einfamilienhäusern. Drei dieser Fassadenbilder sind bis heute erhalten geblieben. Damit sind die Werke Dvoraks auch heute noch sichtbare Zeugen einer besonderen Form der Volkskunst und prägen das Erscheinungsbild der Häuser.
Ein gemeinsamer Abschluss in Lichtengraben
Beim Schloss Lichtengraben fand die 7. Spirituelle Wanderung ihren würdigen Abschluss. Nach den vielen Stationen, Geschichten und Gedanken entlang des Weges versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer abschließenden Andacht. Die Wanderung hatte damit weit mehr geboten als einen gemeinsamen Spaziergang. Sie machte bewusst, wie viele kleine Kostbarkeiten am Wegrand in unserer Heimat zu finden sind – Bildstöcke, Kreuze, Marterln, Fassadenbilder und Andachtsstätten, an denen sich über Generationen hinweg Glaube, Geschichte und persönliche Erinnerungen miteinander verbinden.
Zum gemütlichen Ausklang waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend bei der Fischerei des Gutsherrn Andreas Rittler zu Gast. Dort ließ man den gemeinsamen Tag bei einem köstlichen Räucherfisch in geselliger Runde ausklingen. So endete eine besondere Wanderung, die einmal mehr zeigte: Wer sich auf den Weg macht, entdeckt nicht nur die Landschaft, sondern manchmal auch ein Stück seiner eigenen Heimat und ihrer Geschichte neu.
Ein herzlicher Dank gilt Mag. Susanne Schatz für die Gestaltung und Organisation, Diakon Mag. Anton Schönhart für die geistliche Begleitung sowie allen, die zum Gelingen dieser besonderen Veranstaltung beigetragen haben.
















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